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Geschichte spannend, attraktiv und kompetent präsentiert.

Holger Sonnabend - Geschichte aktuell

Freiheit statt Gewaltherrschaft. Ein Lehrstück politischer Propaganda aus dem antiken Rom

 

Im Alter von 19 Jahren habe ich aus privater Initiative und aus privaten Mitteln ein Heer aufgestellt, mit dem ich dem Staat, der durch die Gewaltherrschaft einer politischen Machtgruppe unterdrückt wurde, die Freiheit wiedergab.

Monumentum Ancyranum in Ankara

Mit diesen Worten leitete der römische Kaiser Augustus einen Bericht über seine Taten und Leistungen ("Res Gestae") ein, den er kurz vor seinem Tod, im Jahre 13 n. Chr., im Alter von 75 Jahren verfasste und überall im großen Reich veröffentlichte. Das besterhaltene Exemplar befindet sich als Inschrift auf dem Tempel der Roma und des Augustus in Ankara. Diese Leistungsbilanz ist ein Meisterwerk - nicht so sehr der wahrheitsgetreuen Berichterstattung als vielmehr der politischen Propaganda wegen. Es handelt sich um Meinungsbeeinflussung der intelligentesten Art. Als Meister der diskreten, dafür um so wirkungsvolleren Meinungsmache wusste Augustus genau, worauf es ankam. "Wörter sind alles" - so lautete seine Devise. Gerne auch Schlagwörter, die auf sachliche Argumentation verzichten und sich durch ständige Wiederholung in den Köpfen der Menschen festsetzen (wie zum Beispiel heute das Passepartout-Wort "Populismus"). Wichtig auch: Die Leser dürfen nicht merken, dass man sie einer verbalen Suggestion unterzieht. Wenn doch, so wusste Augustus, werden sie misstrauisch, und der gegenteilige Effekt tritt ein: Man ist verärgert und glaubt ihm nicht.

Kaiser Augustus

Der Anfangssatz der "Res Gestae" erfüllt alle Anforderungen. Im Rückblick beschreibt der Kaiser seine politischen Anfänge als eine uneigennützige Heldentat für den Staat. Ein junger Mann - ein Privatmann - opfert sich für die bedrohte Republik und stellt die Freiheit wieder her. "Freiheit" statt "Gewaltherrschaft": Besser geht es nicht. Die Wirklichkeit sah etwas anders aus. Denn Augustus, der damals noch Octavian hieß, war der Adoptivsohn des 44 v. Chr. ermordeten Diktators Caesar, und von diesem hatte er nicht nur Geld und Soldaten, sondern auch den brennenden Ehrgeiz geerbt. Sein Ziel war die Macht im Staat, und gerne ließ er sich vom Senat einspannen, um Marcus Antonius, einen alten Gefolgsmann Caesars, der ebenfalls nach der Herrschaft strebte, in die Schranken zu weisen. 43 v. Chr. besiegten Octavians Truppen die Armee des Antonius bei Mutina in Oberitalien (heute Modena). So war also Antonius der Anführer der "politischen Machtgruppe", die den Staat mit einer Gewaltherrschaft unterdrückte. Kurze Zeit später verbündete sich Octavian mit jenem Staatsfeind Antonius in einem Triumvirat (zu dem, weil zu einem Triumvirat nun einmal drei Männer gehören, der politisch eher unbedeutende Lepidus hinzu stieß). Davon ist in den "Res Gestae" natürlich keine Rede. Und auch nicht davon, wie der angeblich besorgte Staatsbürger und Republikfreund Octavian dann zielsicher auf eine Alleinherrschaft zusteuerte, die mit dem Sieg über Antonius und dessen Partnerin Kleopatra in der Schlacht von Actium 31 v. Chr. zementiert wurde. Dieser militärischen Auseinandersetzung war eine intensive Propaganda-Kampagne vorausgegangen. Octavian hatte sich dabei als der Hüter und Garant von Sicherheit, Ordnung und Stabilität stilisiert, während Antonius als "unrömischer" Despot orientalischen Zuschnitts tituliert wurde, verfallen dem verführerischen Einfluss der ägyptischen Königin. Auch diese Seite der politischen Propaganda war ihm nicht fremd: Pluspunkte zu sammeln durch persönliche Angriffe auf die politischen Gegner. In den "Res Gestae" ist von diesen Niederungen der Politik jedoch keine Rede. In ihnen war Augustus bestrebt, sich der römischen Öffentlichkeit als verantwortungsvoller, um das Wohl des Ganzen besorgter Staatslenker zu präsentieren.